Analysis für Informatiker - Formelsammlung

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Satz 1.1 ("Archimedisches Prinzip")

\mathbb{N} ist nicht nach oben beschränkt, d.h. zu jeder reellen Zahl x gibt es eine natürliche Zahl n \in \mathbb{N} mit n > x.

Zwischen zwei reellen Zahlen liegt stets eine rationale Zahl, d.h. ist x < y, dann existieren Zahlen p, q \in \mathbb{Z}, q \neq 0, mit x < \frac{p}{q} < y (sog. Dichtigkeit von \mathbb{Q}).

Satz 1.4 (Beweisprinzip der vollständigen Induktion)

Es sei P(n) eine mathematische Aussage über die natürliche Zahl n. Es sei P(1) richtig (Induktionsanfang). Es lässt sich zeigen: P(n) \Rightarrow P(n+1) (Schluss von n auf n + 1), d.h. unter der Annahme, dass P(n) richtig ist, ist auch P(n + 1) richtig. Dann ist auch P(n) für alle n \in \mathbb{N} richtig.

Satz 1.5 (Bernoullische Ungleichung)

Für x \in \mathbb{R} mit x \ge -1 und n \in \mathbb{N} gilt:

(1+x)^n \ge 1 + nx
{n \choose k} = \frac{n!}{k!(n-k)!}
{n+1 \choose k} = {n \choose {k-1}}+{n \choose k}

Lemma 1.5

  • Der Durchschnitt endlich vieler offener Mengen ist offen.
  • Die Vereinigung beliebig vieler offener Mengen ist offen.

Lemma 1.7

A offen \Leftrightarrow \mathcal{C}A abgeschlossen,

A abgeschlossen \Leftrightarrow \mathcal{C}A offen.

Lemma 1.8

  • Der Durchschnitt beliebig vieler abgeschlossener Mengen ist abgeschlossen.
  • Die Vereinigung endlich vieler abgeschlossener Mengen ist abgeschlossen.
Merkhilfe für Lemma 1.5 und 1.8: Dba -> Durchschnitt, beliebig, abgeschlossen. 
Daraus kann man sich dann die insgesamt 4 Fälle für abgeschlossene und offene Mengen herleiten.

Definition 1.13

Eine abgeschlossene und beschränkte Menge reeller Zahlen heißt kompakt.

Satz 1.8 (Satz von Bolzano-Weierstraß für Mengen)

Jede unendliche und beschränkte Menge reeller Zahlen besitzt mindestens einen Häufungspunkt in \mathbb{R}.

Lemma 1.9

A kompakt \Leftrightarrow Jede unendliche Teilmenge von A bestizt einen Häufungspunkt in A.

Lemma 1.10

Sei A kompakt. Dann gilt \sup A, \inf A \in A.

Definition 1.14 (Komplexe Zahlen) Seite. 13

z = (x,y)

Summe: z1 + z2 = (x1 + x2,y1 + y2)

Produkt: z_1 \cdot z_2 = (x_1 \cdot x_2 - y_1 \cdot y_2, x_1 \cdot y_2 + x_2 \cdot y_1)

Quotient: \frac{x_1+y_1 i}{x_2 + y_2 i} = \frac{(x_1+y_1 i) \cdot (x_2-y_2 i)}{(x_2 + y_2 i) \cdot (x_2-y_2 i)} (Erweitert mit konjugiert komplexer Zahl des Nenners)

Lemma 1.11

Polarform: z = r \cdot e^{\mathrm{i}\varphi} = r \cdot (\cos \varphi + \mathrm{i} \cdot \sin \varphi)

\varphi = arctan \frac{y}{x}, r = | z |

Zusätzlich

Das Produkt aus einer komplexen Zahl und ihrer komplex Konjugierten:

z\cdot\bar z = (x+y\mathrm{i}) (x-y\mathrm{i}) = x^2 + y^2=|z|^2.

Die Summe aus einer komplexen Zahl und ihrer komplex Konjugierten:

z + \bar z = (x+y\mathrm{i}) + (x-y\mathrm{i}) = 2a = 2\,\operatorname{Re}\{z\}.

Die Differenz aus einer komplexen Zahl und ihrer komplex Konjugierten:

z - \bar z = (x+y\mathrm{i}) - (x-y\mathrm{i}) = 2b\mathrm{i} = 2\mathrm{i}\,\operatorname{Im}\{z\}.

Kapitel 2

Definition 2.3

Eine Folge a_{n}, n \in \mathbb{N} konvergiert gegen den Grenzwert a \in \mathbb{R} genau dann, wenn:

\forall \varepsilon > 0 \; \exists N \in \mathbb{N} \; \forall n > N: \; \left|a_{n}-a\right| < \varepsilon

Satz 2.1

  • Der Grenzwert einer Folge ist eindeutig bestimmt.
  • Eine konvergente Folge ist beschränkt.

Satz 2.3

Es gilt \lim\limits_{n \rightarrow \infty}a_{n} = a genau dann, wenn jede Teilfolge gegen a konvergiert.

Definition 2.5

Eine reelle Zahl a ist ein Häufungspunkt (HP) einer Folge a_{n}, n \in \mathbb{N} genau dann, wenn es eine Teilfolge a_{n_{k}}, k \in \mathbb{N} gibt mit \lim\limits_{k \rightarrow \infty}a_{n_{k}} = a.

Satz 2.4 (Bolzano-Weierstraß für Folgen)

Jede beschränkte Folge reeller Zahlen besitzt mindestens einen HP.

Satz 2.8

  • Eine Menge A \subset \mathbb{R} ist abgeschlossen genau dann, wenn gilt:

a_{n} \in A, n \in \mathbb{N}, \lim\limits_{n \rightarrow \infty}a_{n} = a \Rightarrow a \in A

  • Eine Menge A \subset \mathbb{R} ist kompakt genau dann, wenn jede Folge aus A, d.h. a_{n}. n \in \mathbb{N} mit a_{n} \in A, n \in \mathbb{N}, eine in A konvergente Teilfoge besitzt. D.h. es existiert a_{n}, n \in \mathbb{N} und a \in A mit \lim\limits_{k \rightarrow \infty} a_{n_{k}} = a.

Kapitel 3

Definition 3.3

Es sei f definiert auf D, und x0 sei ein HP von D.

  • Die Funktion f besitzt in x0 den Grenzwert L \in \mathbb{R}, wenn zu jedem \varepsilon > 0 ein \delta\left(\varepsilon, x_{0}\right) > 0 existiert, so dass für alle x \in D mit x \neq x_{0} und \left|x - x_{0}\right| < \delta\left(\varepsilon, x_{0}\right) gilt:
\left|f(x) - L\right| < \varepsilon
   

in Zeichen \lim\limits_{x \rightarrow x_{0}} = L

  • Wir schreiben \lim\limits_{x \rightarrow x_{0}} f(x) = \infty, wenn zu jedem M > 0 ein δ(M,x0) > 0 existiert, so dass für alle x \in D, x \neq x_{0} mit \left|x-x_{0}\right| < \delta gilt f(x) > M.

Definition 3.5

Sei f: D \rightarrow \mathbb{R} und x_{0} \in D.

  • f heißt stetig in x0, wenn zu jedem \varepsilon > 0 ein \delta\left(\varepsilon, x_{0}\right) > 0 existiert, so dass für alle x \in D mit \left|x - x_{0}\right| < \delta stets \left|f(x)-f(x_{0})\right| < \varepsilon ist.

\forall \varepsilon > 0 \; \exists \delta > 0: \forall x \in D

  • f heißt stetig in D, wenn f in jedem x \in D stetig ist.

Definition 3.7

Sei f: D \rightarrow \mathbb{R}. f heißt gleichmäßig stetig in D, wenn zu jedem \varepsilon > 0 ein \delta = \delta(\varepsilon, D) existiert mit \left|f(x)-f(x_{0})\right| < \varepsilon, wenn nur \left|x-x_{0}\right| < \delta ist.

Satz 3.5

Gegeben sei f_{2} \circ f_{1}, wobei f1 stetig in x0 und f2 stetig in f1(x0) ist. Dann ist auch die zusammengesetzte Funktion stetig in x0.

Satz 3.6 (Maximum-Minimum Satz von Weierstraß)

Es sei D kompakt und f: D \rightarrow \mathbb{R} stetig. Dann gilt:

  • f(D) ist kompakt.
  • \exists x_{0}, x_{1} \in D mit f(x_{0}) \le f(x) \le f(x_{1}) \, \forall x \in D.

Satz 3.7 (Zwischenwertsatz)

Es sei f stetig auf dem Intervall \left[a,b\right] und f(a) < f(b). Dann existiert zu jedem μ mit f(a) < μ < f(b) ein x_{0} \in (a,b) mit f(x0) = μ.

Satz 3.8

Sei f: D \rightarrow \mathbb{R} stetig und D kompakt. Dann ist f gleichmäßig stetig.

Satz 3.11

1 - \frac{1}{x} \le \log x \le x - 1

Kapitel 4

Satz 4.1

  • f: B_{r}(x_{0}) \rightarrow \mathbb{R} sei differenzierbar in x_{0} \Rightarrow f stetig in x0.
  • f differenzierbar in \left[a,b\right] \Rightarrow f stetig in \left[a,b\right]

Satz 4.8 (Regel von de L'Hospital, 1696)

\lim\limits_{x \rightarrow x_{0}} \frac{f(x)}{g(x)} = \lim\limits_{x \rightarrow x_{0}} \frac{f'(x)}{g'(x)}

Kapitel 5

Satz 5.7 (1. Fundamentalsatz)

Es sei f \in \mathcal{R}\left[a,b\right]. Dann gilt

  • F(x) = \int_{a}^{x} f(u) \text{d}u, ist stetig auf \left[a,b\right] ("Integration Glättet").
  • Ist f in x_{0} \in \left[a,b\right] stetig, so ist F(x) in x0 differenzierbar, und es gilt

\left.\frac{\text{d}}{\text{d}x} \int_{a}^{x} f(u) \text{d}u\right|_{x=x_{0}} = f(x_{0})

  • Ist f \in \mathcal{C}\left[a,b\right], so gilt \frac{\text{d}}{\text{d}x} \int_{a}^{x} f(u) \text{d}u = f(x), x \in \left[a,b\right].

Satz 5.8 (2. Fundamentalsatz)

  • Sei f \in \mathcal{R}\left[a,b\right] und G eine Stammfunktion. Dann gilt

\int_{a}^{b} f(x) dx = F(b) - F(a) = \left.F(x)\right|_{a}^{b}

  • Sei f eine auf [a,b] definierte Funktion mit f' \in \mathcal{R}\left[a,b\right]. Dann gilt

f(x) = f(a) + \int_{a}^{x} f'(u)\text{d}u, \, a \le x \le b

Satz 5.9 (partielle Integration)

Es seien f,g differenzierbar auf \left[a,b\right] und f', g' \in \mathcal{R}\left[a,b\right]. Dann gilt

\int_{a}^{b} f'(x)g(x) \text{d}x = f(x)g(x) - \int_{a}^{b} f(x)g'(x) dx

Satz 5.13

Für \sin x, \cos x, x \in \mathbb{R} gilt

sin2x + cos2x = 1

Lemma 5.6 (Additionstheoreme)

\sin(x + y) = \sin(x) \cdot \cos(y) + \cos(x) \cdot \sin(y)

\cos(x + y) = \cos(x) \cdot \cos(y) - \sin(x) \cdot \sin(y)

Kapitel 6

Geometrische Reihe: \sum_{k=1}^\infty x^k Konvergiert bei | x | < 1 zu \frac{1}{1-x}, divergent für | x | > 1.

Harmonische Reihe: \sum_{k=1}^\infty \frac{1}{k}, divergent

Alternierende harmonische Reihe: \sum_{k=1}^\infty (-1)^{k-1} \frac{1}{k}, konvergent

Satz 6.4

  • Ist \sum\limits_{k=1}^{\infty} \left|a_{k}\right| < \infty, so ist \sum\limits_{k=1}^{\infty} a_{k} konvergent.
  • Ist \sum\limits_{k=1}^{\infty} \left|b_{k}\right| < \infty, \left|a_{k}\right| \le  \left|b_{k}\right|, k \ge N_{0} \Rightarrow \sum\limits_{k=1}^{\infty} \left|a_{k}\right| ist konvergent. (Majorantenkriterium)
  • Ist \sum\limits_{k=1}^{\infty} b_{k} divergent, \left|a_{k}\right| \ge  \left|b_{k}\right|, k \ge N_{0} \Rightarrow \sum\limits_{k=1}^{\infty} \left|a_{k}\right| ist divergent. (Minorantenkriterium)

Satz 6.5

\sum\limits_{k=1}^{\infty} a_{k} mit a_{k} \ge 0, k \in N ist genau dann konvergent, wenn die Folge der Partialsummen beschränkt ist.

Satz 6.6 (Wurzelkriterium)

Gegeben sei \sum\limits_{k=1}^{\infty} a_{k}, und es sei

p := \overline{\lim\limits_{n \rightarrow \infty}} \left|a_{n}\right|^{\frac{1}{n}}

  • p < 1 \Rightarrow \sum\limits_{k=1}^{\infty} \left|a_{k}\right| konvergent.
  • p > 1 \Rightarrow \sum\limits_{k=1}^{\infty} a_{k} divergent (und somit ist auch \sum\limits_{k=1}^{\infty} \left|a_{k}\right| divergent).
  • p = 1 \Rightarrow keine Aussage.

Satz 6.7 (Quotientenkriterium) (verkürzt!)

Gegeben sei \sum\limits_{k=1}^{\infty} a_{k}, und es sei

r :=\lim\limits_{n \rightarrow \infty} \left|\frac{a_{n+1}}{a_{n}}\right|

  • r < 1 \Rightarrow \sum\limits_{k=1}^{\infty} \left|a_{k}\right| konvergent.
  • r > 1 \Rightarrow \sum\limits_{k=1}^{\infty} a_{k} divergent.
  • r = 1 \Rightarrow keine Aussage.


Satz 6.8 (Leibnitz-Kriterium)

Es sei a_{k}, k \in N eine monoton fallende Folge nichtnegativer Zahlen mit \lim\limits_{n \rightarrow \infty}a_{k} = 0. Dann ist die Reihe \sum\limits_{k=1}^{\infty} \left(-1\right)^{k}a_{k} konvergent mit Summe s, und es gilt

\left|s-s_{n}\right| \le a_{n+1}, n \in \mathbb{N}

Kapitel 7

Definition 7.1

Sei f_{n}, n \in N eine Folge von auf D \subset \mathbb{R} definierten Funktionen, und f eine auf D definierte Funktion. Die Folge f_{n}, n \in N konvergiert punktweise auf D gegen f, wenn \lim\limits_{n \rightarrow \infty}f_{n}(x) = f(x), x \in D gilt.

f_{n} \rightarrow f(x), x \in D, n \rightarrow \infty

Satz 7.8

Gegeben sei die Potenzreihe \sum\limits_{k=0}^{\infty} a_{k} x^{k}. Ferner sei

p = \lim\limits_{n \rightarrow \infty} \left|a_{n}\right|^{\frac{1}{n}},R = 
\begin{cases}
  \frac{1}{p}, & \mbox{falls } p \neq 0, p \in \mathbb{R} \\
  0, & p = \infty \\
  \infty, & p = 0 \\
\end{cases}

Dann gilt:

  • Die Potenzreihe ist absolut konvergent für \left|x\right| < R, d.h. R < x < R, und divergent für \left|x\right| > R. Die Zahl R \in \mathbb{R} \cup \{\infty\} heißt Konvergenzradius.
  • Die Potenzreihe konvergiert gleichmäßig für \left|x\right| \le r < R.
  • Existiert \lim\limits_{n \rightarrow \infty} \left|\frac{a_{n}}{a_{n+1}}\right|, so ist R = \lim\limits_{n \rightarrow \infty} \left|\frac{a_{n}}{a_{n+1}}\right|.

Sonstiges, unsortiert

Die Funktion ist als Komposition stetiger Funktionen stetig.

Die Funktion ist als Komposition differenzierbarer Funktionen differenzierbar.

Die Funktion ist als Komposition partiell differenzierbarer Funktionen partiell differenzierbar.


stetig partiell differenzierbar \Leftrightarrow stetig differenzierbar
\Downarrow \Downarrow
partiell differenzierbar \Leftarrow differenzierbar
\Downarrow
stetig