Klausur Nebenfach Psychologie - Forschungsmethoden I
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Gegenstand und Ziele der Psychologie
- Beschreibung, Erklärung und Vorhersage des Verhaltens
- Sammlung von Tatsachenwissen, Erforschung von Gesetzmäßigkeiten
Psychologie als Wissenschaft
- Alltagspsychologie vs. wissenschaftliche Psychologie
- Alltagspsychologie ungenau und oft falsch
- Ziele wissenschaftlicher Forschung
- Entwicklung von Hypothesen und Theorien
- Beschreibung von Verhaltensweisen, Eigenschaften und Symptomen
- Gesetzmäßigkeiten ("Warum war es so", "Wie könnte sich was entwickeln")
- Hypothesen, Einflussfaktoren, Kausalerklärung, Vorhersagen
- Variablen
Grundidee des Experimentierens
- Definition "Experiment"
- Ein methodisch angelegter Versuchsaufbau
- Eine wissenschaftliche Methode, um etwas über eine Gesetzmäßigkeit zu erfahren
- Ziele und grundlegende Eigenschaften des Experiments
- Vorteile experimentellen Vorgehens
- Es kann jederzeit wiederholt werden
- Es kann von einer unabhängigen Person überprüft werden
- Bei Variation können die Unterschiede erkannt werden
- Verschiedene Arten von Experimenten
- Prüfexperimente
- Erkundungsexperimente
- Einfaktorielle / Mehrfaktorielle Experimente
- Univariate / ultvariate Experimente
- Labor- / Feldexperimente
- Echte und Quasi-Experimente
Operationalisierungstechniken
- Test
- Analyse der Verhaltensspuren (Verhaltensbeobachtung)
- Befragung
Abkürzung: TAB
Probleme beim Messen
- Repräsentationsproblem
- Eindeutigkeitsproblem
- Bedeutsamkeitsproblem
- Skalierungsproblem
- Validität: Güte der Operationalisierung
- Reliabilität: Genauigkeit der Messung
Abkürzung: (K)REBS
Skalen
- Nominalskala (Gleichheit / Verschiedenheit). Bsp. Geschlecht, Berufe
- Ordinalskala (Unterscheidung größer / kleiner). Bsp. Testrohwerte, Militärische Dienstgrade
- Intervallskala (Verhältnis von Intervallen). Bsp. subjektive Werteskalen, Celsius-Fahrenheit
- Rationalskala (Verhältnis von Skalenwerten). Bsp. Geldbeträge, Gewicht, Zeit
- Absolutskala (natürliche Nullpunkt und Einheit). Bsp. Mitgliederanzahl
Abkürzung: NOIRA
Experiment
- Ziel:
- Erklärung eines Sachverhaltes
- Isolierung des Einflusses der UV auf die AV
- Eliminierung systematischer Fehler im Versuchsaufbau
- eindeutige Interpretierbarkeit
- Merkhilfe: Heise-News
- Eigenschaften:
- Willkürlichkeit
- Wiederholbarkeit
- Isolierende Variation der Bedingungen
- UV manipulieren
Quasi-Experiment
- Situation schon gegeben
- VPs können nicht zugeteilt werden
- Versuchspläne mit nicht-äquivalenter Kontrollgruppe
- Zeitreihenversuchspläne
- Einzelfall-Versuchsplan mit Revision
Ein berühmtes Beispiel: Das Milgram-Experiment (Autorität und Gehorsam). Stichwort: Elektroschocks
Zeitreihenversuchsplan
Reliabilität
Die Reliabilität gibt die Genauigkeit an, mit der ein Verfahren das misst, was es misst.
- Eine Messwiederholung und ein paralleles Messverfahren müssten zu denselben Ergebnissen führen.
Nur ein reliables Messverfahren kann valide sein.
Variablen
Arten
- Stimulusvariable (Input) -> rein
- Organismusvariable (Throughput) -> durch
- Reaktionsvariable (Output) -> raus
- qualitative Variable (Bsp. männlich - weiblich)
- quantitative Variable (Bsp. IQ: 0 (Paris Hilton) - 220 (Leonardo da Vinci))
Unabhängige Variable
Aktiv geändert von Experimentator
Abhängige Variable
Effekt der UV wird beobachtet
Störvariable und Störeffekte
Ungewollte Beeinflussung der AV
- Scheinfalsifizierung (Schein-Widerlegbarkeit)
- Scheinbestätigung
- VP: Erwartung und Motive
- VL:
- Psychosoziale, situative Eigenschaften
- Versuchsleiter-Effekt (Rosenthaleffekt): Unabsichtliche Beeinflussung der VP
- Situation:
- Apparativer Aufbau,
- Reaktivität der Messung,
- „Demand Characteristics“: VP versucht die vermeidlichen Erwartungen des Vl zu erfüllen (Placebo-Effekt)
- Messwiederholungen:
- Positionseffekte
- Sensibilisierungseffekte (Konzentration auf Thema)
- UV <-> Korellation <-> Unbekannte Störvariable <-> Kausalwirkung <-> AV
Kontrollierung (allgemein)
- Blindversuch (Vp nicht über exp. Bed. informiert)
- Doppelblindversuch (Vl und Vp nicht über Bed. informiert, zB. Placebo-Effekt)
Versuchsleiter-Effekt (Rosenthaleffekt)
Experiment in einem Experiment. Die Erwartungen des VL beeinflussen das Ergebnis des Experiments.
- Kontrollierung
- Standardisierung der Versuchsbedingungen,
- Ausschalten des VL (kein VL)
- Training eines ungeschulten VL
- Mehrere VL
- Vl nicht über Bedingungen informieren
Positionseffekt
Die Position einer experimentellen Bedingung in der Reihenfolge wirkt sich auf deren Effekt aus, beispielsweise wegen der Störvariablen Ermüdung, Übung, Durst, nachlassende Angst vor dem Experiment usw.
Kontrollierung
- Vollständiges Ausbalancieren(Ausgleichen von Positionseffekten über alle Vpn hinweg)
- Unvollständiges Ausbalancieren (Untermenge von vollständiges ..) durch:
- Zufallsauswahl
- Spiegelbildmethode(bsp XYZZYX)
- Lateinische Quadrat
Carry-over-Effekt
Eine frühere experimentelle Bedingung beeinflußt eine spätere inhaltlich. Deshalb ist nicht die Reihenfolge an sich entscheidend, sondern welche spezielle(n) andere(n) Bedingungen einer bestimmten Bedingung vorausgegangen sind.
Tritt z.B bei Versuchen auf, bei denen mehrere experimentelle Bedingungen eine Rolle spielen
Interaktionseffekt
Bezeichnet Wechselwirkungen zwischen zwei oder mehreren Merkmalen. So äußern z.B. Kunden, die sich schon einmal beschwert haben, häufig eine vergleichsweise große Unzufriedenheit. Es liegt also ein Interaktionseffekt zwischen dem Vorliegen einer Beschwerde und der Kundenzufriedenheit vor.
Variablenselektion
- Selektion notwendig, da sonst zu viel (unnütze) Information => Relevanz
- Relevanz abhängig vom Forschungsziel
- Zahl der Variablen ~ Beobachtungsnähe => Überordnung (Gesamtergebnis)
- kein Patentrezept, Auswahl bereits Teil der Hypothese -> Prüfung
Validität
Die Validität gibt das Ausmaß an, dass ein Messverfahren/Versuch das misst, was es/er zu messen vorgibt.
- Innere Validität eines Versuchs
- Misst die abhängige Variable das richtige Konstrukt?
- Repräsentiert die unabhängige Variable das richtige Konstrukt?
- Lässt sich der beobachtete Effekt auf die UV zurückführen?
- Äußere Validität
- Übertragbarkeit auf andere Situationen
- Übertragbarkeit auf andere Populationen
- Konstruktvalidität
- Konstruktvalidität ist dann gegeben, wenn die Merkmale (Indikatoren) tatsächlich das messen, was sie zu messen vorgeben (also wenn z. B. ein Intelligenztest tatsächlich die Intelligenz des Untersuchten misst und nicht nur das erlernte Wissen
Hypothesen
7 Kriterien für die Beurteilung der Hypothesen
- Testbar sein
- Übereinstimmung zeigen
- Sparsam sein
- Problemlösung bieten
- Logische Einfachheit besitzen
- Qualifiziert ausgedrückt bzw. quantifizierbar sein
- Viele Konsequenzen haben
Randomisierung
- Dient der Verhinderung bzw. Kontrolle von Reihenfolge-Effekten (Ermüdungserscheinungen der Versuchsperson, Lerneffekte etc.)
- So ist es möglich, eine VP mehrmals zu nutzen. Wirtschaftlicher.
Ethische Probleme
Rechtlich: Ethikrichtlinien, Überprüfung durch Ethikkommission
- Schädigung der VP
- Täuschung
- Manipulation von VP-Eigenschaften
- Vertraulichkeit / Datenschutz
- Unfreiwillige Teilnahme
Beseitigung der ethischen Probleme
- Abänderung der Untersuchung
- Informierte Einwilligung und Teilnahme
- Nachträgliche Aufklärung
- Aufwiegend der negativen Aspekte pro Vp
Kosten-Nutzen-Rechnung
- Gegenüberstellung Kosten und Nutzen
- Grundrechte, Grundfreiheiten etc. dürfen nicht verletzt werden
Schwierigkeiten / Probleme :
- Schwierigkeit, die Kosten und konkreten Nutzen zu erfassen
- konkrete Nutzen haben i.d.R. nicht die Vpn
- Missbrauch von (positiven) Forschungergebnissen
Ergebnissatz
Kurzer präziser Satz, der die Befunde des Experiments zusammenfasst. Hier kann auch geprüft werden, ob die Hypothese gestimmt hat.
Das Lateinische Quadrat
Nicht klausurrelevant. Aber gut zu wissen :-)
- Jede VP bekommt jedes Item genau 1 x dargeboten (in jeweils unterschiedlicher experimenteller Bedingung pro Person)
- In jeder Liste: Gleiche Anzahl von Items pro Bedingung
- Soviele Listen wie Bedingungen (d.h. Gruppen von VPn erhalten die gleiche Item*Bedingung-Kombination)
Parallelisierung
1.) Erheben der betreffenden Variablen mittels Vortests 2.) Anhand der werte des Vortests Gruppen bilden, die annährend gleiche Werte haben
Allerdings können die Vpn nur nach einer oder recht wenigen Variablen parallelisiert werden, (da man nur in ganz seltenen Fällen eineiige Zwillinge zur Verfügung hat, die sich in vielen Variablen gleichen). Insofern sollte diejenige Variable als Parallelisierungsvariable ausgewählt werden, die am ehesten einen Einfluß auf die AV ausübt (z.B. am höchsten mit der AV korreliert.)
Selbst wenn die Versuchspersonen nach Vortestergebnissen parallelisiert sind, so handelt es sich dennoch nicht zwingend um vergleichbare Gruppen. Am sinnvollsten ist eine Parallelisierung mit anschließender Randomisierung zu den experimentellen Bedingungen, weil diese Prozedur die Vergleichbarkeit der Gruppen herstellt.
Anregung zum eigenen Ausprobieren
Sie wollen 3 verschiedene neue Lehrmethoden (A,B,C) zum Erlernen des Dreisatzes auf ihre Wirksamkeit hin untersuchen. Es stehen Ihnen insgesamt 30 Schüler als Vpn zur Verfügung. Aufgrund theoretischer und empirischer Arbeiten ist anzunehmen, daß die Lösung von Dreisatzaufgaben unter anderem auch stark vom bisherigen mathematischen Wissen abhängt. Deshalb wählen Sie als Parallelisierungsvariable die Zeugnisnote im Fach Mathematik. Die Vpn erzielen folgende Noten in Mathematik:
VP NR. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30
M-Note 4 4 3 1 3 3 3 4 5 3 6 2 2 3 5 3 2 4 4 3 3 2 4 1 1 3 4 2 3 5
1. Parallelisieren Sie die Vpn auf die drei Gruppen A,B,C !
2. Berechnen Sie anschließend die Mittelwerte der Mathematikzeugnisnote für alle Gruppen!
3. Wie würde letztlich die Zuordnung der Vpn auf die Gruppen A,B,C aussehen.?
4. Lohnt sich die Parallelisierung ?
== Lösung ==
Diverse Stichwörter
Skalenniveau:
Haupteffekte: Lineares Modell ohne Wechselwirkungen. 1 UV -> 1 AV.
Haupt- und Nebeneffekte: Lineares Modell mit Wechselwirkungen
Qualität der AV:
