Lineare Algebra - Mitschrift - Hanke/1 Lineare Gleichungssysteme
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Lineare Gleichungssysteme
(1.1) Definition (Lineares Gleichungssystem)
Ein Lineares Gleichungssystem (über
) hat die Form
(m Gleichungen mit n Unbekannten)
mit
(die Koeffizienten des LGS)
Eine Lösung des LGS ist ein n-Tupel
, sodass alle m Gleichungen erfüllt sind, wenn jeweils sj
für xj eingesetzt wird.
Für Lösungen schreibe
statt
(1.2) Beispiel (zu 1.1)
Auslassung: Triviales Beispiel
(1.3) Beispiel (zu 1.1)
- x + y = 2,x − y = 0
- Lösung:
,
- Lösung:
- x + y = 2,x + y = 0
- Lösung: Keine Lösung, Widerspruch
- x + y = 2,3x + 3y = 6
- Lösung:
,
x beliebig
- Lösung:
(1.4) Bemerkung (zu 1.1)
Die Lösungsmenge des LGS ändert sich nicht, wenn
- 2 Gleichungen vertauscht werden
- Eine Gleichung mit einem
multipliziert wird
- Das c-fache eine Gleichung zu einer anderen addiert wird
(Äquivalenzumformungen)
(1.5) Beispiel (zu 1.4)
n = m = 4
Subtrahiere (c = − 1) z1 von z2, Subtrahiere 2z1 von z3
Aus z2 und z4 folgt: x3 = − 1. Einsetzen.
Also x2 beliebig und x1 = − 2 − x2. Es folgt:
Matrizen
(1.6) Definition (Matrizen)
Sei K Körper
a) Matrix
Eine
-Matrix A über K ist ein ``Schema von m Elementen
der Form
Merke: ``Zeile vor Spalte
Die
heißen
Koeffizienten oder Einträge von A
b) Menge der Matrizen
Menge aller
-Matrizen über K
c) Zeilen und Spalten
Sei
Die
-Matrix
heißt
i-te Zeile von A
Die
-Matrix
heißt j-te Spalte von A
d) Tupel
Eine
-Matrix wird auch (Zeilen-)-n-Tupel genannt
Eine
-Matrix wird auch (Spalten-)-m-Tupel genannt
Menge aller Spalten-m-Tupel
e) Nullmatrix
Die
-Matrix mit allen Koeffizienten gleich 0 heißt Nullmatrix.
Geschrieben wird eine einfache 0.
a') Matrix (formal)
Eine
-Matrix A = (aij) über K ist eine Abbildung
(1.7) Beispiele (zu 1.6)
Auslassung: Sehr trivial
(1.8) Definition (Koeffizientenmatrix)
Gegeben sei das LGS über K:
mit
Die Matrix
heißt die
Koeffizientenmatrix des LGS
Das Spalten-m-Tupel
heißt die rechte Seite des LGS
Ist b = 0 dann heißt das LGS homogen, sonst inhomogen
Eine Lösung des LGS ist ein Spalten-n-Tupel
mit
Die Lösungsmenge </math>}} des LGS ist die Menge
aller Lösungen (Beachte:
)
Da A und b das LGS bestimmten, schreiben wir
für
Die Matrix
heißt die erweiterte
Koeffizientenmatrix des LGS
(1.9) Beispiel (zu 1.8)
Auslassung: Nur einige einfache Beispiele, eventuell auch mehr, hab nicht mehr aufgepaßt
Der Gauß Algorithmus
(1.11) Definition (Zeilentransformationen)
Sei K ein Körper und
Jede der folgenden Umformungen heißt elementare Zeielentransformation.
(Typ I)
: Vertausche Zeile
i und Zeile j
(Typ II)
Addiere das c-fache der Zeile j zur Zeile i
(Typ III)
Multipliziere Zeile i mit c
Wir können
als
Abbildungen
auffassen.
(1.12) Beispiel (zu 1.11)
(1.13) Satz
Sei
und sei
durch eine Folge von elementaren Zeilentransformationen aus (A,b)
hervorgegangen. Dann ist
Beweis
für alle
(1.14) Definition (Zeilenstufenform)
Eine Matrix
hat Zeilenstufenform wenn
(
beliebig)
Formal
Sei zi die i-te Zeile von A, d.h.
Sei
die Anzahl der ``führenden Nullen
von zi plus 1, d.h.
A hat Zeilenstufenform, wenn gilt:
(1.15) Gauß-Algorithmus (Teil I)
Jede Matrix
kann durch eine Folge elementarer
Zeilentransformationen von Typ I und Typ II auf Zeilenstufenform gebracht
werden.
Sei
- Wenn A = 0 dann fertig
- Sei
- Wähle ein i mit
(erste Spalte
) und tausche Zeile 1 mit Zeile i (d.h. τ1i)
- Für jedes
wende
an
- Mache weiter mit Zeile
(1.16) Beispiel (zu 1.15)
Auslassung: Zu aufwendig. Im Internet finden sich genug Beispiele zur Anwendung
(1.17) Anwendung (von 1.15)
Lösungsverfahren für homoges LGS
- Sei
die Koeffizientenmatrix eines LGS
- Bringe A auf Zeilenstufenform mit Gauß I (1.15)
- Die r Unbekannten
heißen abhängig die anderen heißen frei
- Die r Unbekannten
- Ersetze die freien Unbekannten durch Parameter
- Löse von unten nach oben macj dem anhängigen Unbekannten auf
- ``Rueckwaertssubstitution
(1.18) Beispiel (zu 1.17)
Abhängig: x1,x3,x4
Frei: x2,x5
-
beliebig
- Zeile 3:
- Zeile 2:
- Zeile 1:
- Zeile 2:
(1.19) Bemerkung (zu 1.17)
- Ein homogenes LGS hat immer eine (d.h. min. eine) Lösung, nämlich die triviale Lösung
- Hat ein homohenes LGs weniger Gleicheungen als Unbekannte (d.h. m < n), dann besitzt es eine nicht-triviale Lösung
- Für ein homogenes LGS sind folgende Aussagen äquivalent:
- Das LGS hat nicht-triviale Lösungen
- Das LGS ist nicht-trivial lösbar
-
- Es gibt freie Unbekannte (n − r > 0)
(1.20) Anwendung (Lösungsverfahren für inhomogenes LGS)
Sei
die erweiterte Koeffizientenmatrix eines
LGS
Bringe (A,b) mit Algorithmus (1.15) auf Zeilenstufenform
Notiz: Da die schmematische Darstellung aus der Vorlesung wenig erlaeuchtend und recht kompliziert war, formuliere ich die Fälle hier aus
1. Fall: Entsteht eine Matrix, bei der die letzte (unterste)
nicht-Nullzeile bis auf die rechte Seite komplett mit Nullen gefüllt ist, so
erhalten wir die Form
mit
, was ein
Widerspruch ist. Es existiert also keine Lösung.
2. Fall: Die unterste nicht-Nullzeile hat
Spalten
vom rechten Rand entfernt die erste Zahl die nicht Null ist (d.h. alle
Matrizen in Zeilenstufenform bei denen Fall 1 nicht zutrifft). Definiere
abhänge/freie Unbekannte genau wie bei homogenen LGS und mache
Rückwärtsubstitution.
- Spezielle Lösung des inhomogenen LGS
- Wähle eine Lösung
indem alle freien Unbekannten 0 gesetzt werden
- Wähle eine Lösung
- Allgemeine Lösung den zugehörigen homogenen LGS
- Bestimmte
wie in Anwendung (1.17)
- Bestimmte
- Allgemeine Lösung des inhomogenen LGS
- (A, b) = s +\mathbb{L}_0 =\{s + u|u \in \mathbb{L}_0 \} \subseteq K^n</math>}}}}
- wobei
(1.21) Beispiel (zu 1.20)
n = m = 4
Fall 2 trifft zu, k1 = 1,k2 = 3,k3 = 4,r = 3, frei: x2 = t, abhängig: x1,x3,x4
Rückwärtsubstitution: Zeile 3: x4 = − 3, Zeile 2:
, Zeile 1:
Lösung:
- Spezielle Lsg. des inhom. LGS: Wähle t = 0.
- Allg. Lsg. des hom. LGS:
- Allg. Lsg. des inhom. LGS:
-
(1.22) Bemerkung (zu 1.20)
Beim Lösen von LGS mit dem Gauß-Algorithmus bedeutet eine Spaltenvertauschung genau eine Vertauschung der zugehörigen Unbekannten. Vertauschen ist also erlaubt, wenn man es sich für die Zuordnung zum LGS merkt. Niemals kann man die b-Spalte vertauschen.
Auslaßung: Beispiel zum Vertauschen
(1.23) Definition (Reduzierte Zeilenstufenform, Normalform)
Notiz: Wieder ausformuliert
Eine Matrix
hat reduzierte
Zeilenstufenform', wenn die ``Stufen der Matrix jeweils mit eine 1
beginnen, also die erste Zahl in einer Zeile ungleich 0 stehts eine 1 ist, und
außerdem die Zahl über dieser 1 eine 0 ist. Etwa:
A hat Normalform, wenn die führenden Einsen den red. Zeilenstufenform eine Diagonale Linie innerhalb eines Null-Blocks bilden. Etwa:
(1.24) Gauß-Algorithmus II
Jede Matrix
kann durch eine Folge elementarer
Zeilentransformationen (Typ I-III) auf reduzierte Zeilenstufenform gebracht
werden. Zusätzlich kann mit Spaltenvertauschungen die Normalform erzeugt
werden.
(1.25) Beispiel (zu 1.24)
Löse das LGS mit
Mit α13(4),α23(1),μ2( − 1) erhalten wir
(Nullzeile kann entfallen)
Mit
erhalten wir
(red. Zeilenstufenform)
Vertausche Spalten
(Normalform, ersten 3 Spalten abhängig, 4. Spalte frei)
- Spez. Lsg.:
- Allg. Lsg. (homogen):
- Allg. Lsg. (inhomogen):
Matrix-Arithmetik
Ab jetzt betrachten wir auch Matrizen über kommultative Ringe (anstatt nur
über Körpern).
Menge der
-Matrizen über
R
Achtung Gauß-Algorithmus funktioniert nicht, wenn R kein Körper ist!
(1.27) Definition (Matrix-Arithmetik)
R ist kommultativer Ring,
-
mit
für
(
)
-
(Skalare Multiplikation)
- Für
ist
(Summe von A und B)
- Für
- Sei
-
mit
für
(
)
-
ist nur definiert wenn Spaltenzahl von A = Zeilenzahl von B
- Sei
(1.28) Beispiele (zu 1.27)
- Seien
,
-
-
-
- Nicht definiert:
-
- A wie oben,
-
- Falk-Schema:
-
-
Spezialfälle
l = 1: A wie oben,
:
m = 1:
, B wie oben:
l = 1,m = 1:
(``Skalarprodukt)
n = 1:
(1.29) Bemerkung (zu 1.27)
Matrix Multiplikation ist eine Abbildung
Spezialfälle
-
(l = 1)
-
(m = 1)
-
(l = 1,m = 1)
-
(n = 1)
Sei
Dann ist
(1.30) Beispiel und Schreibweise (zu 1.27)
Sei
Wir schreiben das LGS mit der erweiterten Koeffizientenmatrix (A,b) formal
als Matrixgleichung
(1.31) Definition (Einheitsmatrix)
Sei R kommultativer Ring
heißt n-elementige Einheitsmatrix
(1.32) Satz
Sei R kommultativer Ring
- Für alle
gilt:
- (A + B) + C = A + (B + C)
- 0 + A = A = A + 0
- A + ( − 1)A = 0 = ( − 1)A + A
- A + B = B + A
-
-
-
-
-
-
-
-
Auslassung: Beweis dazu
(1.33) Folgerung (aus 1.32)
Sei R kommulativer Ring
Dann ist
ein Ring bzgl. Matrixaddition und -Multiplikation
(aus Def. 1.27)
Sind
und
Beweis: Satz 1.32 (Falls m = n)
(1.34) Bemerkung und Beispiele (zu 1.33)
Sei
(dh.
) n > 1
-
mit A2 = 0
- zB.
- (B2) ist verletzt, also
kein Körper (selbst wenn R Körper ist)
- zB.
-
ist nicht kommultativ
- zB.
- zB.
- Schema für Mult. in
- Auslassung: Nochmal Falk-Schema als Bild
(1.35) Definition (Lineare Gruppe)
Sei R kommutativer Ring,
Die Einheitengruppe von
heißt volle Lineare Gruppe über R vom Grad n
Genaür:
(1.36) Bemerkung (zu 1.35)
Sei R kommutativer Ring,
Ist
, so ist auch
Und: (At) − 1 = (A − 1)t